Wie oft Rohre reinigen lassen? Intervall-Guide für freie Abflüsse
Thomas M.2026-02-016 Min. Lesezeit
Kurz gesagt
Für einen typischen Ein- oder Zweipersonenhaushalt in einer Wohnung mittleren Baujahrs reicht es, die Leitungen einmal im Jahr vom Fachbetrieb reinigen zu lassen. In neueren Gebäuden mit modernen Kunststoffleitungen und guter Wasserqualität genügt häufig ein Intervall von 2 bis 3 Jahren. Wer in einer Wohngemeinschaft oder Großfamilie lebt, sollte halbjährlich reinigen lassen; bei fettreichem Abwasser in der Gastronomie sogar quartalsweise. Die 3-Intervall-Methode ergänzt die professionelle Wartung durch tägliche und monatliche Eigenpflege – zusammen mit dem umfassenden Leitfaden zu Rohrverstopfung Ursachen und Prävention hast du alle Informationen für freie Abflüsse.

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Jede Leitung transportiert täglich ein Gemisch aus Fett, Seifenresten, Haaren und Kalk. Diese Stoffe lagern sich bevorzugt in Siphon-Bögen, Reduzierstücken und wenig durchströmten Etagensträngen ab. Der Prozess ist schleichend: Zunächst bemerkst du nichts, dann wird der Querschnitt enger, die Strömung sinkt, und irgendwann reicht der Wasserdruck nicht mehr aus, um die Ablagerungen wegzuspülen. Wird der Querschnitt enger, steigt die Strömungsgeschwindigkeit lokal an – Turbulenzen wirbeln noch mehr Schmutz auf, der sich wiederum absetzt. Das Ergebnis ist ein Schneeballeffekt, der letztlich in einer kompletten Blockade oder sogar einem Rohrbruch enden kann.
Regelmäßiges Reinigen unterbricht diesen Kreislauf. Es hält den Rohrquerschnitt frei, verhindert Geruch aus faulen Ablagerungen, verlängert die Lebensdauer der Leitungen und spart Notdienstkosten. Ein Notdienst nachts oder am Wochenende kann schnell vierstellig werden – Zuschläge von bis zu 100 Prozent auf die üblichen Sätze sind rechtlich zulässig. Eine geplante Wartung kostet typischerweise 250 bis 500 Euro alle paar Jahre und verhindert im Vergleich dazu nicht nur teure Reparaturen, sondern auch materialzerstörende Chemiekeulen. Wer die Warnsignale für Rohrverstopfung kennt und früh handelt, kommt selten in die Situation, dass ein teurer Notfall-Einsatz nötig wird.
Der Grundrhythmus – einmal jährlich genügt meist
Für einen typischen Ein- oder Zweipersonenhaushalt in einer Wohnung mittleren Baujahrs reicht es, die Leitungen einmal im Jahr vom Fachbetrieb spülen oder mechanisch reinigen zu lassen. Der Fachbetrieb demontiert dabei die Siphons und reinigt sie von Haaren, Seifenresten und Fett. Fall- und Sammelleitungen werden mit Hochdruck gespült oder mit einer 9-mm-Spirale ausgefräst – die Spirale dringt tiefer ein als Hausmittel und löst auch hartnäckige Pfropfen. Eine detaillierte Anleitung zur Siphon-Reinigung findest du in unserem Ratgeber.
Lebst du in einem älteren Gebäude mit Gussleitungen oder hast häufiger Fett in der Küche, solltest du die Intervalle verkürzen. Gussrohre haben eine raue Innenwand und Rosttaschen, an denen sich Schmutz schneller festsetzt – im Vergleich zu modernen Kunststoffrohren sind sie deutlich anfälliger für Ablagerungen. In der Küche verfestigt sich Fett ab etwa 40 °C zu Seifenstein – ein hartnäckiger Belag, der den Querschnitt zunehmend einengt und nur mechanisch oder mit starken Laugen entfernt werden kann.
Wann reicht eine Reinigung alle 2 bis 3 Jahre?
In neueren Gebäuden mit modernen Kunststoffleitungen (HT- oder PP-Rohre) genügt häufig ein 2- bis 3-Jahres-Intervall. Die glatten Rohrwände lassen Schmutz schlechter anhaften als die rauen Innenflächen von Gussrohren – Partikel rutschen leichter durch, und Kalk lagert sich weniger stark ab. Bei guter Wasserqualität, also weichem bis mittelhartem Wasser im Härtebereich I bis II, bildet sich zudem weniger Kalk. Voraussetzung dafür ist ein Haushalt mit maximal drei Personen und moderatem Fett- bzw. Haareintrag sowie regelmäßige Eigenpflege wie monatliches Heißwasserspülen.
Eine einfache Ampelregel hilft bei der Entscheidung: Grünes Licht für ein 3-Jahres-Intervall nur, wenn das Wasser stets zügig abfließt und kein Geruch auftritt. Gelb für 2 Jahre bei gelegentlichem Gluckern – dann solltest du das Intervall verkürzen. Rot für 1 Jahr oder sofortigen Facheinsatz, sobald der Pegel sichtbar steigt oder der Abfluss merklich langsamer wird.
Die 3-Intervall-Methode ergänzt diese professionelle Wartung durch tägliche und monatliche Routinen – zusammen bilden sie ein schlüssiges Präventionssystem, das die meisten Verstopfungen verhindert.
Faktoren, die häufigere Reinigungen erzwingen
Mehrere Faktoren können das empfohlene Reinigungsintervall deutlich verkürzen. Bei Personenzahl und Nutzung gilt: Mehr Duschen, Kochen und Waschen bedeuten mehr Fett und Haare in den Rohren. In WGs und Großfamilien ist deshalb eine halbjährliche Spülung sinnvoll. Fettreiches Abwasser aus Gastronomie oder Kantinen verfestigt sich ab 40 °C zu Seifenstein – hier empfiehlt sich eine quartalsweise Spülung, bei sehr hoher Belastung sogar monatlich. Wer Fett in Rohren vorbeugen will, reduziert den Eintrag bereits an der Quelle.
Hartes Wasser über 14 °dH führt dazu, dass sich Kalk als harter Ring in den Rohren ablagert. Etwa 34 Prozent Deutschlands hat hartes Wasser; in diesen Regionen ist eine jährliche Reinigung empfehlenswert. Altbau-Gussrohre haben eine raue Innenwand und Rosttaschen, an denen Ablagerungen besonders gut haften – hier solltest du jährlich reinigen lassen oder bei erstem Gluckern das Intervall verkürzen. Viel Papier oder Feuchttücher in der Toilette sind ein weiterer Risikofaktor: Bei regelmäßiger Feuchttuch-Nutzung empfiehlt sich alle 6 bis 9 Monate eine Stoßreinigung. Mehr zur richtigen Nutzung findest du im Artikel WC-Verstopfung vorbeugen.
Bewährte Alternativen zwischen den Profi-Terminen
Zwischen den professionellen Reinigungen kannst du mit einfachen Maßnahmen die Leitungen frei halten. Eine monatliche Heißwasser-Dusche mit zwei Litern kochendem Wasser pro Abfluss spült den Fettfilm weg, bevor er sich festsetzt – das kostet kaum Zeit und schadet den Rohren nicht. Enzym-Tabs alle 4 bis 6 Wochen nutzen Bacillus-Stämme, die Biofilm abbauen, ohne die Rohre anzugreifen. Haarsiebe und Fettsiebe sind ein kleiner Einsatz mit großer Wirkung – sie verhindern, dass Problemstoffe überhaupt in den Siphon gelangen. Welche Abfluss-Siebe wirklich helfen, erklären wir in unserem Ratgeber.
Bei erstem Gluckern kann eine Saugglocke das Problem oft früh lösen, bevor sich der Pfropf verdichtet. Eine Backpulver-Essig-Kur vierteljährlich – 100 Gramm Backpulver plus 200 Milliliter Essig, 30 Minuten einwirken lassen, heiß nachspülen – löst leichten Biofilm geruchsneutral. Mehr zu Biofilm im Abfluss und wie du ihn erkennst und behandelst.
Entscheidungsschema – wann rufe ich den Profi?
Langsamer Abfluss plus Geruch plus Leitungen, die seit mehr als fünf Jahren ungepflegt sind – in dieser Kombination solltest du sofort eine professionelle Reinigung beauftragen. Auch wenn der Wasserpegel sichtbar steigt oder mehrere Abflüsse gleichzeitig betroffen sind, ist ein Notdienst angezeigt. Ein Notfall liegt vor, wenn Überschwemmungsgefahr besteht oder Rückstau aus dem Kanal droht. Mehr zu den Kosten einer Rohrreinigung und wann ein Notfall-Rohrverstopfung vorliegt, findest du in unseren Leitfäden.
Bei nur gelegentlichem Gluckern bei ansonsten normalem Ablauf reicht es, DIY-Pflege zu betreiben und einen Termin in 3 bis 6 Monaten einzuplanen. Heißes Wasser nachspülen, Siebe prüfen, Siphon im Blick behalten – oft verhindert das eine Verschlimmerung. Wer unsicher ist, kann sich an der Ampelregel orientieren: Rot bedeutet sofort handeln, Gelb bedeutet Termin in den nächsten Monaten, Grün bedeutet, dass das geplante Intervall passt.

Autor
Thomas M.
Gelernter Installateur mit Schwerpunkt Rohrreinigung. Im Meisterfaktur-Blog teile ich, was ich in der Praxis gelernt habe: wie du Verstopfungen selbst löst, welche Kosten fair sind und woran du unseriöse Anbieter erkennst. Der Fachshop für Spiralen und Rohrpumpen – ehrlicher Rat statt Werbeguide.
