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Industrie Rohrreinigung – Besonderheiten und Anforderungen für Industriebetriebe

Thomas M.2026-02-189 Min. Lesezeit
Industrie Rohrreinigung – Rohrleitungen und Produktionsanlagen in Industriebetrieben

Kurz gesagt

Industrie Rohrreinigung erfordert andere Dimensionen als Privat oder Gewerbe: größere Rohre, komplexe Medien wie Chemikalien, Öle und Lebensmittel, strenge Normen und hohe Produktionsausfall-Kosten. Die Rohrdrehreinigung ist das Standardverfahren für Rohre von 10 bis 5.000 Millimeter Durchmesser und bis 400 Meter Länge. Branchenspezifisch gelten in Lebensmittel und Pharma Keimfreiheit, in der Chemie Entsorgung und Korrosion, in Öl und Gas die Molchtechnik. DIY ist nur bei kleinen Abflüssen mit DN 50 mit Spirale sinnvoll; bei Industrie-Rohrleitungen ist der Profi erforderlich. Präventive Wartung kostet 250 bis 500 Euro und vermeidet Notfälle von 5.000 bis 15.000 Euro und mehr.

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Warum Industrie-Rohrreinigung anders ist

Im Vergleich zum Privathaushalt oder einer typischen Gastronomieküche arbeitet die Industrie mit anderen Maßstäben. Die Rohrdurchmesser reichen von DN 100 – also etwa 100 Millimeter – bis zu mehreren Metern bei Pipelines. Die transportierten Medien sind vielfältig: Chemikalien, Öle, Kühlschmierstoffe, Lebensmittel, Abwasser mit Fettablagerungen oder mineralische Rückstände. Jedes Medium erfordert andere Reinigungsverfahren und -intervalle.

Der entscheidende Unterschied sind die Produktionsausfall-Kosten. Studien zeigen, dass ungeplante Stillstände in deutschen Industriebetrieben durchschnittlich 147.000 Euro pro Stunde verursachen. In der Automobilindustrie können es 500 bis 5.000 Euro pro Minute sein, in der Chemie- und Lebensmittelproduktion 500 bis 1.500 Euro pro Minute. Eine verstopfte Rohrleitung kann den gesamten Betrieb stilllegen – und jede Minute, in der die Produktion steht, kostet Geld. Die Wirtschaftlichkeit spricht für präventive Wartung: Regelmäßige Reinigung ist deutlich günstiger als reaktive Reparatur und Notfall-Einsätze.

Hinzu kommen strenge Normen. In der Lebensmittel- und Pharmaindustrie sowie in der Medizintechnik gelten Anforderungen an Keimfreiheit und Freiheit von Fremdstoffen – beispielsweise nach Montage oder Produktwechsel. Die Abwasserverordnung regelt Anforderungen an das Einleiten von Abwasser; die DWA-M 760 behandelt fetthaltiges Abwasser und Fettabscheider. Für Trinkwasser-Installationen und deren Wartung gilt die DIN EN 806-5. Wer diese Normen und die Besonderheiten seiner Branche kennt, kann die richtigen Entscheidungen treffen für Wartung, Verfahren und den Einsatz von Profis.

Branchenspezifische Anforderungen

Die chemische Industrie arbeitet mit aggressiven Medien, die Rohre und Dichtungen belasten. Korrosion, Ablagerungen und Verstopfungen sind typische Folgen. Die chemische Rohrreinigung mit Reinigungsflüssigkeiten erfordert oft eine Stilllegung der Anlage und erzeugt Entsorgungsprobleme – die großen Mengen an Reinigungsmitteln müssen fachgerecht entsorgt werden. Mechanische Verfahren wie die Rohrdrehreinigung sind hier oft flexibler, weil sie ohne Stilllegung oder mit kürzeren Stillstandszeiten auskommen können.

In der Lebensmittel- und Pharmaindustrie gelten strikte Anforderungen an Keimfreiheit und Freiheit von Fremdstoffen. Chemische Reiniger sind problematisch: Sie können giftig sein und Rückstände hinterlassen, die in die Produktion gelangen. Nur strikte Einhaltung der Spülvorschriften und genaue Restmengenkontrolle schaffen Abhilfe – und das bedingt aufwendige Nachweisverfahren. Mechanische und thermische Reinigung zur Sterilisation sind hier oft die bevorzugten Optionen.

Die Öl- und Gasbranche arbeitet mit Pipelines großer Durchmesser. Die Molchtechnik – Reinigungskörper, die durch das Rohr geschoben werden – ist hier häufig im Einsatz. Bei Kühlwasser und Kühlturmwassern kommen oft Schwammgummikugeln zum Einsatz, die mit dem Fördermedium durch die Rohre laufen und Ablagerungen entfernen. In der Metallverarbeitung sind Öle, Kühlschmierstoffe und Fette die typischen Verunreinigungen; Fettabscheider und regelmäßige Wartung sind hier vorgeschrieben.

Verfahren der industriellen Rohrreinigung

Die mechanische Rohrreinigung umfasst die Rohrdrehreinigung mit Hochdruck, die klassische Rohrreinigungsspirale und elektromechanische Verfahren mit Bürsten und Ketten. Die Rohrdrehreinigung ist das Standardverfahren für industrielle Rohrleitungen: Ein rotierender Hochdruckschlauch wird in das Rohr geschoben und reinigt die Innenwand streifenfrei. Die Rohrreinigungsspirale eignet sich für kleinere Durchmesser – typischerweise bis DN 50 – und erreicht Blockaden in mehreren Metern Tiefe. Für Industrie-Rohre mit DN 100 und darüber reicht sie nicht aus; hier sind Spezialgeräte und der Profi erforderlich. Mehr zur richtigen Spirale für verschiedene Rohrdurchmesser.

Die chemische Rohrreinigung setzt Reinigungsflüssigkeiten ein – zum Beispiel Zitronen- oder Essigsäure zur Entkalkung. Je nach Material und Einsatzgebiet können mehrstufige Behandlungen notwendig sein. Der Nachteil: Die chemische Reinigung bedingt oft eine Stilllegung der Anlage und erzeugt große Mengen an Reinigungsflüssigkeit, die entsorgt werden müssen. In der Lebensmittelindustrie sind die mögliche Giftigkeit und Rückstände ein zusätzliches Problem.

Die thermische Rohrreinigung trocknet den Belag durch Beheizung; er wird spröde und fällt ab. Das Verfahren wird gelegentlich zur Sterilisation in der pharmazeutischen oder lebensmitteltechnischen Industrie eingesetzt. Bei Online-Verfahren – Molche, Schwammgummikugeln – bewegt sich der Reinigungskörper mit dem Fördermedium durch die Rohre. Diese ermöglichen eine kontinuierliche Reinigung ohne Stilllegung, sind aber nur für bestimmte Medien und Rohrgrößen geeignet.

Rohrdrehreinigung – das Standardverfahren

Die Rohrdrehreinigung ist das Standardverfahren für industrielle Rohrleitungen. Ein Hochdruckschlauch wird in Rotation versetzt und mittels einer Vorschubeinrichtung in das Rohr geschoben. Der mechanische Vorschub gewährleistet eine streifenfreie Reinigung der Rohrinnenwand. Mit verschiedenen Düsen können Verschmutzungen von weich und schmierig bis steinhart entfernt werden.

Das Verfahren kann Rohrleitungen von 10 bis 5.000 Millimeter Durchmesser und einer Länge von bis zu 400 Metern bearbeiten. Der Betriebsdruck liegt bis 1.400 bar, die Wassermenge bis 250 Liter pro Minute. Je nach Rohrbeschaffenheit sind Bögen bis 30 oder 90 Grad möglich. Selbst komplett verschlossene Rohre können mit diesem System geöffnet und gereinigt werden. Entfernt werden unter anderem Kalk- und Silicatablagerungen, eingebranntes Eiweiß, Bauxit-, Latex-, Schwefel- und Koksinkrustierungen sowie Polymere. Mehr zu den Techniken der Profi-Rohrreinigung.

Wartung und Prävention

Präventive Wartung ist deutlich wirtschaftlicher als reaktive Reparatur. Regelmäßige Reinigung kostet typischerweise 250 bis 500 Euro – alle paar Jahre – und verhindert Notfallkosten von 5.000 bis 15.000 Euro und mehr. Zusätzlich verlängert sie die Lebensdauer der Rohrsysteme von etwa 8 auf 15 Jahre. Die Stillstandskosten bei einem Notfall sind ein Vielfaches höher als die Kosten für geplante Wartung.

Ein Wartungsplan strukturiert die Intervalle: Je nach Branche, Medium und Belastung kann ein Intervall von monatlich bis jährlich sinnvoll sein. Bei Produktionsanlagen mit hoher Belastung – etwa in der Lebensmittel- oder Chemieindustrie – sind kürzere Intervalle erforderlich. Geplante Stillstandszeiten, zum Beispiel in Produktionspausen oder bei Revisionen, minimieren die Ausfallkosten. Ein Wartungsplan für Gewerbeimmobilien hilft, die Routinen zu strukturieren und teure Notfälle zu vermeiden.

DIY oder Profi – wann was?

Bei leichten Verstopfungen in kleinen Abflüssen – etwa in der Kantinenküche oder im Sanitärbereich mit DN 50 – kann eine Rohrreinigungsspirale helfen, wenn geschultes Personal sie einsetzt. Die Spirale erreicht Blockaden in mehreren Metern Tiefe und löst sie mechanisch. Für Küchenabflüsse eignen sich Spiralen mit 6 bis 9 Millimeter Durchmesser. Die Spirale langsam einführen, im Uhrzeigersinn drehen, leichten Druck ausüben. Bei alten oder beschädigten Rohren vorsichtig vorgehen – zu viel Druck kann Rohre beschädigen.

Der Profi ist erforderlich bei Rohrdurchmessern ab DN 100, bei chemischen oder aggressiven Medien, wenn Hochdruck oder Spezialtechnik nötig ist, und in der Lebensmittel- oder Pharmaproduktion. Auch bei produktionskritischen Leitungen – wo eine Verstopfung den gesamten Betrieb stilllegt – ist der Fachbetrieb die richtige Wahl. Die handelsübliche Rohrreinigungsspirale reicht nicht für große Durchmesser und industrielle Medien. Mehr zur Entscheidung DIY oder Profi im Gewerbe.

Häufiger Fehler: Zu lange mit DIY-Methoden experimentieren, wenn die Rohre zu groß oder die Medien zu speziell sind. Jede Minute Stillstand kostet in der Industrie – der schnelle Anruf beim Profi ist oft günstiger als verlorene Produktionszeit.

Kosten – was Industriebetriebe erwarten können

Die Kosten für Industrie Rohrreinigung liegen deutlich höher als im Privathaushalt oder in typischen Gewerbebetrieben. Drei Faktoren spielen eine Rolle: der Zugang, die Technik und das Risiko. Präventive Wartung schlägt typischerweise mit 250 bis 500 Euro zu Buche; ein Notfall kann 5.000 bis 15.000 Euro und mehr kosten.

Die Wirtschaftlichkeit spricht für Prävention. Regelmäßige Wartung verlängert die Lebensdauer der Rohrsysteme von etwa 8 auf 15 Jahre und vermeidet Produktionsausfälle. Ein Wartungsvertrag mit einem Fachbetrieb kann die Kosten planbar machen und bei Notfällen schnellere Reaktionszeiten sichern. Eine detaillierte Kosteneinschätzung für Gewerbe-Rohrreinigung findest du in unserem Ratgeber.

Thomas M.

Autor

Thomas M.

Gelernter Installateur mit Schwerpunkt Rohrreinigung. Im Meisterfaktur-Blog teile ich, was ich in der Praxis gelernt habe: wie du Verstopfungen selbst löst, welche Kosten fair sind und woran du unseriöse Anbieter erkennst. Der Fachshop für Spiralen und Rohrpumpen – ehrlicher Rat statt Werbeguide.

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