Verstopfter Abfluss in Dusche & Badewanne – warum der Siphon der Schlüssel ist
Thomas M.2026-02-016 Min. Lesezeit
Wenn das Wasser in der Duschrinne zentimeterhoch steht oder die Badewanne nur noch langsam abläuft, liegt die Ursache fast immer im unsichtbaren Bereich: dem unter der Wanne versteckten Siphon. Anders als am Waschbecken ist dieses U-Rohr hier schwer zugänglich – doch mit der richtigen Strategie lässt sich der Pfropf auch ohne Chemie oder Komplettdemontage beseitigen. Das Umweltbundesamt rät vom Einsatz chemischer Abflussreiniger ab und empfiehlt mechanische Methoden – wir zeigen dir, wie das bei Dusche und Badewanne konkret funktioniert.

Rohrreinigungspumpe
Angebot ansehenKurz gesagt
Ein verstopfter Abfluss in Dusche und Badewanne entsteht fast immer im Siphon – dem U-förmigen Rohr unter dem Ablauf, das Haare, Seifenfett und Hautschuppen sammelt. Entscheidend ist, den Siphon-Typ zu erkennen: Ältere Modelle mit 6-Loch-Sieb und Schlitzschraube darfst du nicht demontieren, moderne Flachsiphons mit Chromkappe lassen sich dagegen leicht öffnen. Eine dünne Spirale (6 mm Ø) durchs Sieb oder in den freigelegten Ablauftrichter löst die meisten Blockaden in wenigen Minuten. Der umfassende Überblick steht im Leitfaden Rohrreinigung.
Warum der Dusch-Siphon so anfällig ist
Jede Dusche produziert täglich Haarreste, Seifenfett und Hautschuppen. Der Siphon unter dem Ablauf ist gewollt der erste Filter des Rohrsystems: In seiner U-Form sammeln sich diese Partikel genau dort, wo die Wasserbarriere den Geruch aus dem Abwasserrohr stoppt. Das macht ihn zum idealen Auffangbecken – und gleichzeitig zur ersten Engstelle, an der sich ein Pfropf bildet.
Bei modernen, flachen Duschtassen sitzt der Bogen direkt unter der Ablaufkappe. Der Abstand zwischen Duschboden und Siphon-Tiefpunkt beträgt oft nur wenige Zentimeter. Schon ein kleines Haarknäuel, das sich mit Seifenresten verbindet, reicht aus, um den Wasserspiegel ansteigen zu lassen. Sobald der Wasserspiegel steigt, entsteht die perfekte Brutstätte für üblen Geruch und Schimmelbelag. Wer früh handelt, verhindert nicht nur die komplette Blockade, sondern auch unangenehme Gerüche. Die häufigsten Ursachen für verstopfte Abflüsse gelten auch hier.
Alt oder modern? – Siphon-Modelle erkennen
Bevor du Werkzeug ansetzt, musst du wissen, welchen Siphon-Typ du vor dir hast. Ältere Duschen und Wannen erkennst du an der erhöht montierten Tasse und einem klassischen 6-Loch-Sieb mit Schlitzschraube in der Mitte. Diese Schraube sieht harmlos aus, ist aber kritisch: Sie hält den gesamten Ablauf am Wannenboden fest. Wird sie gelöst, reißt die Dichtung ab und Wasser sickert ins Mauerwerk. Die Regel lautet daher: Die Schlitzschraube niemals lösen. Stattdessen führst du eine dünne Spirale durch die Sieblöcher.
Moderne, bodentiefe Installationen haben eine runde Chromkappe ohne sichtbare Schraube. Darunter steckt ein flacher Geruchsverschluss aus Kunststoff, den du per Hand herausziehen kannst. Die Kappe lässt sich mit Fingernagel oder Kunststoffhebel abheben – kein Werkzeug nötig. Diese Bauweise ist bei Neubauten und sanierten Bädern Standard.
Dünne Spirale durchs Sieb führen
Lässt sich die Ablaufschraube nicht entfernen oder sitzt eine Chromkappe lose auf dem Sieb, hilft eine dünne, flexible Siphonspirale von 6 mm Durchmesser und nur 40 cm Länge. Ihre weiche Feder rutscht durch die kleinen Sieblöcher und bohrt sich in das Haarknäuel. Ein kurzes Drehen im Uhrzeigersinn, und die Matte kommt im Ganzen wieder hoch – ohne dass du den Siphon demontieren musst.
Führe die Spitze langsam in den Abfluss ein, bis du leichten Widerstand spürst. Drehe die Kurbel weiter, ohne mit Gewalt zu drücken – Haare wickeln sich fast sofort ein. Beim Rückzug die Rotation beibehalten, damit sich das Kabel nicht verhakt. Ein Liter kochendes Wasser nachspülen entfernt letzte Reste. Eine detaillierte Anleitung zum Siphon reinigen mit Spirale findest du in unserem Ratgeber. Setze nur Spiralen mit 6 mm Durchmesser ein. Dickere Kabel passen nicht durch die Sieblöcher und können bei Flachsiphons den dünnen Kunststoff beschädigen. Die richtige Spirale für Bad und Dusche wählst du nach Rohrdurchmesser und Verstopfungstiefe.
Revisionsöffnung finden
Reicht die kurze Spirale nicht aus, steckt die Blockade tiefer im Rohr. Bei älteren Wannen findest du seitlich eine hohl klingende Fliese – das ist die Revisionsöffnung. Klopfe vorsichtig gegen die Fliesen rund um die Wanne; die Stelle, die dumpf und hohl klingt, verbirgt den Zugang zum Siphon.
Metalldrähte oder kleine Haken halten die Fliese in der Regel fest. Lässt sie sich vorsichtig herausnehmen, blickst du direkt auf den Siphon. Von dort kannst du den Bogen abschrauben und die Hauptleitung mit einer längeren Spirale (5–10 m, Ø 6–9 mm) angehen. Stelle einen Eimer unter den Siphon, bevor du ihn löst. Bei der Wiedermontage die Gummidichtungen prüfen und bei Bedarf erneuern.
Flachsiphon moderner Duschen
Bodengleiche Duschen und viele aktuelle Badewannen verstecken den Geruchsverschluss unter einer losen Chromkappe. Hebe die Kappe einfach mit Fingernagel oder Kunststoffhebel ab. Darunter sitzt ein steckbarer Kunststoff-Einsatz, der sich mit zwei Fingern nach oben ziehen lässt.
Spüle den Einsatz unter heißem Wasser; eine alte Zahnbürste entfernt Seifenfilm und Biobelag. Nun liegt der Ablauftrichter frei. Dort setzt du eine 1,5 m Spirale mit 6 mm Durchmesser an. Zwei, drei vorsichtige Drehbewegungen genügen meist, um Haare und Duschgelklumpen zu lösen. Bei Familien-Duschen solltest du den Kunststoff-Einsatz etwa einmal pro Monat reinigen.
Tiefer sitzende Blockaden – Spirale durchs Waschbecken führen
Staut sich nicht nur die Dusche, sondern auch das Waschbecken, liegt der Pfropf hinter dem gemeinsamen Abzweig. Dusche und Waschbecken teilen sich oft eine Leitung. Die Blockade sitzt dann in diesem gemeinsamen Abschnitt – vom Waschbecken aus gut zugänglich.
Demontiere den gut zugänglichen Waschbecken-Siphon. Von dort schiebst du eine 7 m Spirale mit 6 mm Durchmesser bis zum Widerstand. Bohre den Pfropf auf, ziehe ihn heraus oder drücke ihn in Richtung Fallrohr. Der Vorteil: Du arbeitest aufrecht am Becken, statt unter der Wanne zu kriechen. Mehr zur Rohrreinigung mit Spirale und den richtigen Techniken.
Häufige Fehler vermeiden
Zwei Fehler führen besonders oft zu teuren Folgeschäden. Erstens: Die Schlitzschraube am 6-Loch-Sieb lösen. Bei alten Dusch- und Badewannenabläufen hält diese Schraube den gesamten Ablauf am Wannenboden fest. Wird sie gelöst, reißt die Dichtung ab und Wasser sickert ins Mauerwerk. Stattdessen die Spirale durchs Sieb führen.
Zweitens: Eine dicke Spirale mit Gewalt durch den Flachsiphon schieben. Harte 9-mm-Kabel verbiegen den dünnen Kunststoff und können Risse verursachen. Setze hier nur 6-mm-Spiralen ein. Auch der Pümpel ist bei Flachsiphons mit Vorsicht zu genießen: Zu hoher Unterdruck kann den steckbaren Einsatz herausreißen. Mehr zur richtigen Anwendung der Spirale findest du in unserem Siphon-Ratgeber.
Wann der Profi ran muss
Bleibt das Wasser trotz Spirale und Druckstoß stehen oder kommt es in mehreren Räumen gleichzeitig zum Rückstau, steckt der Pfropf tiefer im Fallstrang. Profis arbeiten mit Kamera und Hochdruckfräse – sie lokalisieren die Blockade genau und beseitigen sie ohne Rohrschäden.
Ein Anruf spart in solchen Fällen Zeit, schützt Leitungen und verhindert Wasserschäden an Wänden und Decken. Wenn mehrere Abflüsse betroffen sind oder die Spirale nicht weiterkommt, ist der Klempner die richtige Wahl. Mehr dazu in unserem Ratgeber Rohrreinigung DIY oder Profi und Wann Klempner rufen.

Autor
Thomas M.
Gelernter Installateur mit Schwerpunkt Rohrreinigung. Im Meisterfaktur-Blog teile ich, was ich in der Praxis gelernt habe: wie du Verstopfungen selbst löst, welche Kosten fair sind und woran du unseriöse Anbieter erkennst. Der Fachshop für Spiralen und Rohrpumpen – ehrlicher Rat statt Werbeguide.

