Meisterfaktur

Siphon reinigen mit Spirale: Schritt-für-Schritt ohne Chemie

Thomas M.2026-02-156 Min. Lesezeit
Siphon reinigen mit Rohrreinigungsspirale – Schritt-für-Schritt ohne Chemie

Kurz gesagt

Ein verstopfter Abfluss entsteht fast immer im Siphon – dem U-förmigen Rohr unter dem Ablauf, das Haare, Seifenfett und Speisereste sammelt. Eine kurze Handspirale mit 6 mm Durchmesser reicht für die meisten Fälle. Du führst die Spitze langsam ein, kurbelst im Uhrzeigersinn, ziehst den Pfropf heraus und spülst mit heißem Wasser nach. Chemische Rohrreiniger schaden Dichtungen, Chrom und Umwelt – mechanisch reinigen ist schneller und schonender. Der umfassende Überblick steht im Leitfaden Rohrreinigung.

Rohrreinigungsspirale XR11

Rohrreinigungsspirale XR11

Angebot ansehen

Warum steckt das Problem fast immer im Siphon?

Der Siphon erfüllt eine doppelte Funktion: Er hält mit seiner Wasserbarriere Faulgase aus dem Abwasserrohr fern und fängt gleichzeitig Feststoffe ab, bevor sie tiefer ins Rohr gelangen. Genau diese Eigenschaft macht ihn zur ersten Engstelle. Haare verfilzen mit Seifenresten zu einer zähen Matte, Fett aus der Küche kühlt ab und klebt an der Rohrwand, kleine Fremdkörper wie Zahnseide oder Wattestäbchen werden zum Ankerpunkt für weitere Ablagerungen. All das sammelt sich im U-Bogen – dort, wo das Wasser die tiefste Stelle passiert und die Fließgeschwindigkeit am geringsten ist.

Positiv daran: Der Engpass liegt gut erreichbar vor der Wand. Du musst nicht durch mehrere Stockwerke bohren, um den Pfropf zu erreichen. Negativ: Sobald sich genug Material angesammelt hat, verengt sich der Querschnitt. Wer früh handelt – etwa wenn der Ablauf spürbar langsamer wird – verhindert nicht nur die komplette Blockade, sondern auch üble Gerüche. Die häufigsten Ursachen für verstopfte Abflüsse gelten auch hier, nur dass der Siphon der erste Auffangpunkt ist.

Finger weg von aggressiven Rohrreinigern

Chemische Granulate oder Gele aus dem Supermarkt bestehen meist aus stark alkalischen Laugen – Natrium- oder Kaliumhydroxid in hoher Konzentration. Sie lösen organisches Material wie Haare und Fett, indem sie die chemischen Bindungen aufspalten. Das klingt praktisch, hat aber gravierende Nachteile: Die Lauge unterscheidet nicht zwischen totem Gewebe im Abfluss und lebendem Gewebe an deinen Händen. Bereits ein Spritzer ins Auge kann die Hornhaut irreparabel schädigen. Zudem greifen die Substanzen Dichtungen, Chromoberflächen und Kunststoffteile an.

Die DIN 1986-100 empfiehlt für Verstopfungen vorrangig mechanische Verfahren; chemische Mittel sind nur als Ausnahme vorgesehen. Mechanisch reinigen ist in der Praxis schneller, schonender und umweltfreundlicher. Eine Spirale bohrt den Pfropf auf, wickelt Haare ein und holt sie als Ganzes heraus – ohne ätzende Rückstände. Wer die Risiken chemischer Rohrreiniger kennt, greift seltener zur Flasche.

Sicherheitshinweis bei vorheriger Chemie

Hast du bereits Rohrfrei oder einen anderen chemischen Reiniger in den Abfluss gekippt? Dann leg unbedingt Schutzhandschuhe und eine Schutzbrille an, bevor du den Siphon öffnest oder mit einer Spirale arbeitest. Laugenreste können ätzend spritzen, sobald du an der Blockade rüttelst – etwa beim Demontieren des Siphons oder beim Einführen der Spirale. Die Reaktion von Lauge mit Wasser ist exotherm, das Gemisch kann aufschäumen und Tropfen verspritzen. Besonders die Augen sind gefährdet: Ein kleiner Spritzer reicht, um schwere Verätzungen zu verursachen.

Erst Schutzausrüstung anlegen, dann handeln. Bei Verätzungen zählt jede Sekunde – 15 Minuten ununterbrochen mit kaltem Wasser spülen, dann 112 oder Giftnotruf wählen.

Die richtige Spirale für Küche & Bad

Für typische Siphon-Verstopfungen brauchst du keine Profimaschine. Eine kurze Handspirale mit 6 mm Kabeldurchmesser reicht in den meisten Fällen aus. Sie schlängelt sich durch den U-Bogen, wickelt Haare ein und holt den Pfropf als Ganzes heraus. Im Waschbecken genügen oft kürzere Längen von 40 cm bis 1,5 m – der Siphon liegt direkt unter dem Ablauf. In der Küche oder bei tieferen Badabläufen, wo die Blockade hinter der Wand sitzen kann, greifst du besser zu einer 7,5- oder 15-Meter-Spirale. Die richtige Länge für deine Rohrreinigungsspirale hängt von der Pfropftiefe ab.

Eine Bürstenspitze setzt du erst nach der eigentlichen Räumung ein – sie dient dazu, Biofilm von den Rohrwänden zu schrubben, nicht zum Durchbohren des Pfropfs. Beim Bohren spreizen die Borsten, das Kabel verhakt sich. Für verchromte Siphons solltest du die Metallspitze mit einem Tuch umwickeln oder eine Spirale mit Kunststoff-Mantel verwenden. Der passende Durchmesser entscheidet mit: 6 mm für Siphon und enge Bögen, dickere Spiralen erst für Fallrohr und Außenleitungen.

Schritt-für-Schritt: Siphon reinigen

Die Technik ist simpel, wenn du die richtige Reihenfolge einhältst. Stelle zuerst einen Eimer unter den Siphon, falls du ihn später demontieren musst. Alte Handtücher um den Abfluss schützen Fliesen und Chrom vor Schmutz und Kratzern.

Schritt 1: Spirale einführen

Führe die Spitze langsam in den Abfluss ein, bis du leichten Widerstand spürst. Drücke nicht mit Gewalt – die Spirale soll sich selbst durch das Rohr arbeiten. Bei einem Abflusssieb kannst du es entfernen oder die dünne 6-mm-Spirale durch die Sieblöcher führen.

Schritt 2: Kurbeln, nicht drücken

Drehe die Kurbel im Uhrzeigersinn und übe nur geringen Vorschubdruck aus. Haare wickeln sich fast sofort in die Feder ein. Gegen den Uhrzeigersinn zu drehen lockert die Spirale und kann die Spitze verkanten – halte dich strikt an die Drehrichtung.

Schritt 3: Pfropf herausziehen

Weiter im Uhrzeigersinn rotieren, während du die Spirale zurückholst. Das Haarknäuel oder die Speisereste kommen mit heraus. Behalte die Rotation bei, damit sich das Kabel nicht verhakt. Wenn der Pfropf zu groß für den Abfluss ist, lockere ihn mit der Spirale und ziehe ihn in kleineren Portionen heraus.

Schritt 4: Heiß nachspülen

Ein Liter kochendes Wasser entfernt letzte Reste und spült den Ablauf frei. Optional: Natron und Essig im Wechsel einsetzen – sie neutralisieren Geruch und lösen leichten Biofilm. Reines Natron wirkt besser als Backpulver, das Stärke enthält. Mehr zu Hausmitteln gegen verstopfte Rohre und ihrer richtigen Anwendung.

Schritt 5: Siphon demontieren – falls nötig

Verkantet sich der Pfropf oder sitzt der Siphon aus Dünnblech kurz vorm Durchrosten, schraub ihn ab. Eimer unterstellen, Bogen unter heißem Wasser reinigen oder gleich durch einen neuen Kunststoff-Siphon ersetzen. Bei modernen Flachsiphons in der Dusche reicht oft das Herausziehen des Einsatzes – eine detaillierte Anleitung findest du im Artikel Verstopfter Abfluss in Dusche und Badewanne.

Blockade tiefer im Rohr?

Gluckert es weiterhin oder bleibt Wasser stehen, obwohl du den Siphon gereinigt hast, sitzt das Hindernis hinter der Wand. Der Pfropf liegt dann im Fallstrang oder in einem gemeinsamen Abzweig – von der Spüle aus nicht mehr mit einer kurzen Spirale erreichbar. In diesem Fall brauchst du eine 7,5- oder 15-Meter-Spirale oder ein kompaktes Rohrreinigungsgerät mit Trommel und AutoFeed. Das Vorgehen bleibt gleich: Kabel bis zum Widerstand vorschieben, kurze Drehimpulse im Uhrzeigersinn, Pfropf aufbohren, zurückziehen und mit heißem Wasser spülen. Bei mehreren gleichzeitig verstopften Abflüssen liegt der Pfropf oft hinter dem gemeinsamen Abzweig. Mehr dazu im Vergleich Rohrreinigungsgerät oder Spirale.

Fehler, die du vermeiden solltest

Vier Fehler führen besonders oft zu Schäden oder Frust. Erstens: Gegen den Uhrzeigersinn drehen. Die Spirale ist als Feder aufgewunden – drehst du dagegen, lockert sich die Wicklung, die Spitze verkantet oder der Aufsatz löst sich. Im Uhrzeigersinn bleibt die Feder straff, Haare wickeln sich zuverlässig ein. Zweitens: Mit Gewalt drücken. Dünnwandige Siphons können knicken oder platzen. Die Spirale arbeitet durch Rotation – sie braucht keinen hohen Anpressdruck. Drittens: Die Bürste zum Durchbohren benutzen. Die Borsten spreizen beim Bohren, das Kabel verhakt sich. Die Bürste dient ausschließlich dazu, nach der Räumung Biofilm von den Rohrwänden zu schrubben. Viertens: Chrom-Siphon ohne Mantel spiralisieren. Eine blanke Metallspitze zerkratzt die verchromte Oberfläche. Wickle die Spitze mit einem Tuch ein oder verwende eine Spirale mit Kunststoff-Mantel. Die richtige Benutzung einer Rohrreinigungsspirale ergänzt diese Hinweise um weitere Praxistipps.

Thomas M.

Autor

Thomas M.

Gelernter Installateur mit Schwerpunkt Rohrreinigung. Im Meisterfaktur-Blog teile ich, was ich in der Praxis gelernt habe: wie du Verstopfungen selbst löst, welche Kosten fair sind und woran du unseriöse Anbieter erkennst. Der Fachshop für Spiralen und Rohrpumpen – ehrlicher Rat statt Werbeguide.

RohrreinigungSanitärtechnik

Häufige Fragen

Verwandte Artikel